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Ein neuer Lebensabschnitt
Bettlägerige heben und tragen - Aus den Tagebuchaufzeichnungen der Altenpflegeschülerin Christiane Fiedler

Berliner Morgenpost vom 05.02.2006

Bettlägerige heben und tragen - Aus den Tagebuchaufzeichnungen der Altenpflegeschülerin Christiane Fiedler Eine Umschulung soll Christiane Fiedler neue berufliche Perspektiven bieten. In einem Tagebuch beschreibt die Berlinerin die ersten eineinhalb Jahre ihrer Ausbildung zur Altenpflegerin. Dabei hielt sie ihre Erfahrungen nicht nur während der Schulungszeit fest, sondern offenbart auch Ansprüche an den künftigen Beruf sowie persönliche Probleme, beispielsweise Job und familiären Aufgaben nebeneinander zu meistern. Nach den ersten 18 Monaten kann Christiane Fiedler auch ein positives Fazit ziehen: Die Ausbildung macht ihr Spaß und bietet ihr neue berufliche Chancen.

15. März 2004, 8 Uhr

Ich setze mich abgehetzt auf einen der wenigen freien Stühle meiner neuen Altenpflegeklasse an der Berufsfachschule am Institut für angewandte Gerontologie in Berlin-Charlottenburg. Ich bin 31 Jahre alt, allein erziehende Mutter eines zehnjährigen Sohnes, den ich um 7 Uhr in seiner Schule in Windeseile abgegeben habe. Heute beginne ich meine dreijährige Ausbildung zur staatlich anerkannten Altenpflegerin, finanziert als Umschülerin durch die Arbeitsagentur. Nach mehr als einem Jahr Arbeitslosigkeit befinde ich mich jetzt in der ersten Stunde meiner neu gewonnenen Zukunft. Im alten Beruf als Industriearbeiterin hatte ich keine mehr. Der neue Lebensabschnitt kann beginnen.

26. Mai 2004,15 Uhr

Ich verlasse etwas müde die Schule, gehe zur U-Bahn, um meinen Sohn von der Schule abzuholen. Während der Fahrt denke ich an meine Klassenlehrerin und Pflegepädagogin Frau P. Sie erklärte uns den so genannten Lernfeldansatz. Sie nutzte dafür ein Fallbeispiel: Familie Hagestolz. Frau Hagestolz ist 79 Jahre alt, herzkrank und trägt einen Herzschrittmacher, zudem bekommt sie viele Medikamente. Am meisten leidet sie an ihrer Arthrose in den Knien. Frau Hagestolz ist dadurch sehr gehbeeinträchtigt Ständige Schmerzen lassen sie kaum schlafen, obwohl sie schon Schmerzmittel bekommt.

Herr Hagestolz ist 82 Jahre alt und leidet an einer beginnenden Demenz. Er ist sehr vergesslich, findet sich auch zu Hause nicht mehr zurecht und zeigt Weglauftendenzen, zum Beispiel wenn seine Frau mit dem Taxi zum Arzt fährt. Herr Hagestolz erinnert sich dann nicht mehr, wo seine Frau ist und geht sie suchen. Mittags bringt ein "fahrbarer Mittagstisch" eine warme Mahlzeit. Kaffee kochen und Brote richten können die beiden noch allein. Ihre etwa zwanzig Kilometer entfernt wohnende Tochter kümmert sich mehrmals in der Woche um die beiden. Frau Hagestolz fühlt sich wegen des Zustandes ihres Mannes überfordert und sagt, sie müsse an alles denken und könne nicht ständig auf ihren Mann aufpassen. Ihr Mann sei ihr keine Hilfe, da er wegen seiner Vergesslichkeit nicht mehr zuverlässig sei. Häufig schimpft sie mit ihm, weil er "sich nicht mehr am Riemen reißt". Sie glaubt, er müsse sich nur ein wenig anstrengen, was er aber aus Boshaftigkeit verweigere. Sie befürchtet zwar, dass er an der Alzheimerschen Krankheit leide, will es aber nicht wahrhaben. Herr und Frau Hagestolz wollen nicht ins Altenheim, aber sie wollen sich von Altenpflegern umfassend beraten lassen, welche Möglichkeiten es gibt, um ihre Situation zu erleichtern. Denn auch ihre Tochter meint, dass sie völlig überfordert sei und unter der Situation leide. Meine Lehrerin sagt, dies seien typische Probleme in unserer künftigen beruflichen Praxis. Nach ihren Angaben werden wir uns dieser vielschichtigen Problemlage schrittweise nähern. Und wir werden am Ende unserer Ausbildung in der Lage sein, diese Situation in ihren vielfältigen Aspekten wahrzunehmen, sie zu analysieren sowie Problemlösungen anzubieten und angemessen zu reagieren.

30. Juni 2004,15 Uhr

An meinem zweiten Lernort, einer Wohngemeinschaft für chronisch psychisch erkrankte Menschen, die mit der Berufsfachschule eng zusammenarbeitet, habe ich gerade Dienstschluss.

In diesen Einrichtungen wohnen bis zu zwölf Personen. In Berlin sind es oft Altbauwohnungen, die behindertengerecht ausgebaut wurden. Jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer als Wohn- und Schlafraum mit vertrautem eigenem Mobiliar. Neben angemessenen Bädern und WC gibt es Gemeinschaftsräume, häufig in der Form einer großzügigen Wohnküche. Rund vier Mitarbeiter sind immer vor Ort, die gemeinsam mit den alten Menschen den Tagesablauf biographie- und krankheitsgerecht gestalten. Normalität, Vertrautheit und Geborgenheit bestimmen den Alltag. So entsteht vielfach für die Bewohner mehr Lebensqualität und für die Mitarbeiter mehr Arbeitszufriedenheit.

Mein individueller Ausbildungsplan sah in den vergangenen vier Wochen vor, für die Familie Hagestolz eine Vielzahl von Fragen als Vorbereitung für ein Beratungsgespräch zu durchdenken und eine Informationsmappe über Angebote der Altenhilfe im entsprechenden Stadtteil der Familie Hagestolz zusammenzustellen. Nach meinem von mir geführten Berichtsheft sollte ich zum Beispiel klären, welche Probleme das Ehepaar hat und welche zuerst angegangen werden sollten. Ich beschäftige mich mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) und seinen Aufgaben. Ich habe geklärt, was eine "Arthrose" ist und welche Folgen ständige Schmerzen bei Menschen haben können. Ich habe mich über Schlafstörungen im Alter sowie über Therapiemöglichkeiten informiert.

28. Juli 2004, 13.30 Uhr

Meine patente Mentorin, fast schon ein Coach, hat meine Erarbeitung und Präsentation des Projekts "Familie Hagestolz" mit gut bewertet. Darauf bin ich stolz. Meinen Vortrag hatte ich medial durch Overhead-Folien, Plakate und Handzettel unterstützt. Um den Vortrag relativ frei halten zu können, habe ich mir übersichtliche Karteikarten mit den wichtigsten Informationen zusammengestellt. Alle diese Techniken habe ich an meiner Schule im Lernfeld "Lernen lernen" praxisnah vermittelt bekommen und ausprobiert.

21. März 2005, 21 Uhr

Mein Sohn ist gerade eingeschlafen. Das erste Lehrjahr ist schon abgeschlossen. So theoretisch oder abgehoben - wie ich anfangs vermutete - war der Schulunterricht nicht.

29. Juli 2005

Heute endet mein erster über drei Wochen dauernder Sommerurlaub. Er war insgesamt sehr erholsam. Denn durch das viele Heben und Tragen bettlägeriger WG-Bewohner waren in den letzten Wochen vor allem meine Gelenke und Schultern stark belastet worden und freuten sich schon sehr über die Auszeit. Ich war mit meinem Sohn in Spanien. Dort haben wir alte Bekannte besucht.

14. Oktober 2005, 20:45 Uhr

Heute haben wir Bergfest gefeiert. Die Hälfte der Ausbildung ist vorbei. Die nächsten Monate sind praktische Ausbildungszeit, die ich wahrscheinlich in einem stationären Hospiz verbringe. Diese Hospize sind kleine Einrichtungen mit acht bis 16 Betten, die räumlich und personell auf die besonderen Bedürfnisse Schwerkranker und sterbender Menschen ausgerichtet sind. Hier soll sterbenden Menschen ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben bis zuletzt ermöglicht werden. Was auch bedeutet, Sterbenden letzte Wünsche zu erfüllen. Ich bin schon sehr gespannt.

Die Autorin ist Altenpflegeschülerin am IFAG Berlin, Berufsfachschule für Altenpflege

 

ALTENPFLEGE

Die Deutschen werden immer älter. Etwa 13 Prozent der Frauen und fünf Prozent der Männer sind inzwischen älter als 90 Jahre. Viele sind auf professionelle Hilfe angewiesen. "Bundesweit arbeiten etwa 630 000 Menschen in der Altenpflege, davon 110 000 ausgebildete Altenpfleger, so Rainer Curschmann, Leiter im Schulungszentrum des Verbandes Deutsche Alten- und Behindertenhilfe. Und die Zukunftsaussichten für die Branche sind gut. Bis 2015 gehen Schätzungen von einem jährlichen Beschäftigungswachstum von drei Prozent aus. Die Altenpflege als Jobmotor und Ausbildungsplatzgarant? Leider nein. Seit August 2003 gilt zwar das neue Altenpflegegesetz, wonach die Ausbildung zum Altenpfleger keine Umschulung, sondern eine anerkannte berufliche Erstausbildung mit dreijähriger Lehrzeit ist. Doch es mangelt an Ausbildungsplätzen.

"Das größte Problem ist die Finanzierung der Ausbildung", kritisiert Marita Bauer vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe. Was bleibt ist ein steigender Bedarf an gut ausgebildeten Kräften. Doch die Ausbildungszahlen sind bundesweit sogar rückläufig.

 

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